DOGMA: Zukunftsthriller über Kontrolle durch Technologie
Die Grenzen zwischen Mensch und Maschine verschwimmen, während Technologie zunehmend über unser Leben bestimmt. In einer Zeit, in der künstliche Intelligenz längst keine Science-Fiction mehr ist, stellt sich eine brisante Frage: Wann wird aus Fortschritt Zwang? Der Filmemacher Roman Meyer-Paulino wagt mit seinem dystopischen Kurzfilm DOGMA einen ungeschönten Blick in eine mögliche Zukunft, in der Augmentation nicht mehr Wahl, sondern Pflicht ist.
Wenn der Staat über Menschlichkeit entscheidet
„Augmentation bedeutet Sicherheit. Augmentation bedeutet Freiheit. Augmentation bedeutet Frieden.“ Diese Worte klingen wie das Mantra einer perfektionierten Gesellschaft. Doch hinter der vermeintlichen Utopie verbirgt sich ein System totaler Kontrolle. In der Welt von DOGMA hat eine globale Transhumanismus-Revolution die westliche Welt erfasst. Der Gesundheitsstatus jedes Einzelnen wird lückenlos überwacht, medizinische Behandlungen zentral gesteuert, kritische Gedanken bereits im Entstehen identifiziert und unterdrückt.
Die DOGMA-Direktive markiert dabei den Höhepunkt staatlicher Übergriffigkeit: Wer sich der augmentativen Kapitulation widersetzt, gilt automatisch als potentieller Terrorist. Was einst als körperliche Selbstbestimmung galt, wird nun als systemfeindliche Haltung gebrandmarkt. Diese drastische Entwicklung wirft fundamentale Fragen auf: Darf ein Staat definieren, was als menschlich gilt? Wo endet legitime Sicherheitspolitik und wo beginnt Tyrannei?
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Flucht durch eine eisige Dystopie
Im Zentrum der Handlung stehen zwei Figuren, die unterschiedlicher nicht sein könnten: eine Augmentierte, dargestellt von Natalie Holle, und ein Unaugmentierter, verkörpert von Michael Davies. Beide verbindet derselbe verzweifelte Wunsch — die rettende Grenze eines Nachbarlandes zu erreichen, in dem körperliche Selbstbestimmung noch als Grundrecht existiert.

Die Verfolgungsjagd durch verschneite Wälder und über zugefrorene Flüsse wird von bewaffneten Bundesbeamten und hochmodernen KI-Fahndungssystemen geleitet. An der Spitze steht HEN-84, eine humanoide Super-KI, die von Hendrik Massute zum Leben erweckt wird. Diese Figur symbolisiert die perfide Verbindung von menschlicher Intelligenz und maschineller Effizienz — ein Wesen, das Befehle ohne Empathie, aber mit absoluter Präzision ausführt.
- Realaufnahmen verschmelzen mit generativer KI zu einer hybriden Filmsprache
- Die Performance echter Schauspieler wird in KI-generierte Avatare übertragen
- Technische Innovation dient der Darstellung einer technologisch überfrachteten Gesellschaft
- Die visuelle Ästhetik unterstreicht die Entfremdung zwischen Mensch und System
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Ein Filmemacher als kreatives Multitalent
Roman Meyer-Paulino vereint bei DOGMA sämtliche Schlüsselpositionen in einer Person: Er zeichnet als Regisseur, Kameramann und für die Postproduktion verantwortlich. Diese umfassende Kontrolle über den kreativen Prozess ermöglicht eine kohärente Vision, die technisches Können mit inhaltlicher Tiefe verbindet. Seine Expertise zeigt sich besonders in der innovativen Verschmelzung von Realaufnahmen mit generativer KI — eine Technik, die perfekt zum Thema des Films passt.
Für die Darstellung von HEN-84 nutzt Meyer-Paulino einen bemerkenswerten Ansatz: Die Performance eines echten Schauspielers wird in einen vollständig KI-generierten Avatar übertragen. Diese Methode ist nicht nur technisch anspruchsvoll, sondern auch inhaltlich bedeutsam. Sie demonstriert, wie Technologie menschliche Ausdruckskraft übernehmen kann — genau jene Entwicklung, vor der der Film warnt. Technologische Dystopien offenbaren oft mehr über unsere gegenwärtigen Werte als über die Zukunft selbst, und DOGMA macht diese Verbindung unmittelbar erfahrbar.
Unser zeitgeistliches Selbstverständnis, gesellschaftliche Herausforderungen alleine durch Technologie und Kontrolle statt mit Menschlichkeit und Verständnis bewältigen zu können, kann in einem Horrorszenario enden.
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Zwischen Fortschritt und Freiheit
Mit einer Laufzeit von etwa drei Minuten schafft es DOGMA, eine komplexe Zukunftsvision zu verdichten. Der Film erscheint in den kommenden zwei Wochen und reiht sich damit in eine lange Tradition dystopischer Werke ein, die gesellschaftliche Entwicklungen kritisch hinterfragen. Während der gleichnamige Film von 1999 religiöse Dogmen thematisierte, richtet Meyer-Paulinos Werk den Blick auf die Dogmen unserer technologiegetriebenen Gegenwart.
Die zentrale Botschaft ist unmissverständlich: Technologie ohne ethische Grenzen führt nicht zu Freiheit, sondern zu neuen Formen der Unterdrückung. Der Film zeigt, wie gut gemeinte Sicherheitsversprechen in totalitäre Strukturen umschlagen können, wenn die Würde des Einzelnen dem vermeintlichen Gemeinwohl geopfert wird. Die Augmentation, ursprünglich als Verbesserung des Menschen gedacht, wird zum Instrument der Kontrolle.
Eine Warnung für unsere Zeit
DOGMA ist mehr als nur Unterhaltung — er ist eine Reflexion über die Richtung, in die unsere Gesellschaft steuert. In einer Ära, in der Überwachungstechnologien rasant zunehmen, biometrische Daten gesammelt werden und KI-Systeme zunehmend Entscheidungen über unser Leben treffen, wirkt die Dystopie erschreckend nah. Dystopische Thriller wie dieser erinnern uns daran, dass jede technologische Errungenschaft auch missbraucht werden kann.
Die Frage, die der Film aufwirft, ist zeitlos: Sind wir bereit, unsere Freiheit für das Versprechen von Sicherheit aufzugeben? Und wer entscheidet darüber, welcher Preis angemessen ist? Roman Meyer-Paulinos DOGMA liefert keine einfachen Antworten, sondern zwingt uns, diese unbequemen Fragen selbst zu stellen. In einer Welt, die zunehmend von Algorithmen gesteuert wird, könnte diese kritische Selbstreflexion wichtiger sein denn je.
Der Kurzfilm erscheint als Mahnung zur rechten Zeit — bevor aus Science-Fiction Realität wird.





